• Mag. Katharina Cont

Besser streiten - Teil 2: Kommunikation

Wer kennt das nicht - der andere tut oder sagt etwas, was uns so richtig auf die Palme bringt, uns verletzt oder völlig gegen unsere Werte ist. Der verlockende Weg ist dann, die "Schuld" für das eigene schlechte Gefühl (Wut, Traurigkeit, etc.) dem anderen zu geben & zu denken: "Wenn er/sie dieses & jenes nicht getan/gesagt hätte, würde es mir jetzt nicht so schlecht gehen... Wegen ihm/ihr fühle ich mich so." Das ist richtig & falsch zugleich. Ja, die Außenwelt (und somit auch andere Menschen) sind oftmals Auslöser für unser inneres Drama, doch selten tatsächlich auch die Ursache!

Meist "triggern" uns Situationen oder Menschen, weil wir in uns einen Schmerz mittragen, der aus einer ganz anderen Zeit, einer ganz anderen Beziehung stammt (Eltern, frühere Partner, etc.). Genau aus diesem Grund sind Konfliktsituationen auch Chancen zu Selbsterkenntnis & Heilung!


Um in einem Streit möglichst wenig Schaden an der Beziehung zu deinem Gegenüber anzurichten, ist der Schlüssel: Bleib bei dir. Kommuniziere möglichst achtsam (auch wenn dies anfangs schwer ist). Verzichte auf Anschuldigungen, Vorwürfe oder Beleidigungen, sondern versuche zu kommunizieren, wie du dich fühlst & warum (welcher Wert getroffen wurde). Zum Beispiel: "Mah, ich bin grade sowas von stinkwütend!!! Ich hab das Gefühl, ich werde überhaupt nicht gehört & meine Meinung zählt hier gar nichts!" (verletzter Wert: Gehörtwerden, Anerkennung, Bedeutsamkeit)

In dieser Form kannst du dem Gefühl deiner Wut authentisch Ausdruck verleihen & dein Gegenüber hat zugleich die Chance zu verstehen, was dich bewegt.


"Bei dir zu bleiben" bedeutet auch, dass du nicht die ganze Zeit auf den anderen einhackst mit "Du, du, du"-Botschaften, sondern über dich und deine Gefühle redest. Was macht es mit dir, wenn dein Partner etwas Bestimmtes sagt oder tut? Fühl hinein und kommuniziere das.


Eine weitere wichtige Sache ist, im Streit die Worte "immer, alles, nie" zu vermeiden. Sie wirken totalitär und sind zudem nicht ganz fair deinem Partner gegenüber. Sie vermitteln das Gefühl, als seien alle früheren Auseinandersetzungen nicht verziehen und als könnte dein Partner sowieso nichts richtig machen. Versuche, in der aktuellen Situation zu bleiben! Was in der Vergangenheit gelaufen ist, ist nicht so relevant wie wir oft glauben - gehe mit deiner Aufmerksamkeit ins Hier & Jetzt und formuliere auch deine Sätze dementsprechend. Statt "Nie hörst du mir zu!" könntest du versuchen zu sagen: "Ich fühle mich gerade überhaupt nicht von dir gehört!"


Wenn dein Gegenüber dir umgekehrt "Du"-Vorwürfe macht, dann versuche, mit "Wir"-Botschaften zu antworten: "Schau, was bringt uns das, wenn wir uns einfach beschimpfen?! Lass uns versuchen, das zu klären, auch wenn es grade schwierig ist!" Dies appelliert bei deinem Partner an seinen Teamgeist, an das Verbindende.


Natürlich kann es trotzdem immer wieder mal vorkommen, dass eure Gefühle euch überwältigen & ihr verletzende, unschöne Dinge zueinander sagt. Dann ist es wichtig, wie man nach einem eskalierten Streit miteinander umgeht, damit er doch noch konstruktiv wirken kann. Dazu mehr im nächsten Post!


Von Herzen,

Katharina


Kennst du schon Teil 1 dieser Beitrags-Serie? Du findest ihn hier: "Besser streiten - Teil 1: Aufeinander zugehen"


Hier geht es zu Teil 3: "Besser streiten - Teil 3: Wieder in die Liebe finden"

Liebe findet immer einen Weg!

Mag. Katharina Cont

1050 Wien

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